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Intersec Forum: Top-Thema BIM und Bauvertragsrecht

Das Intersec Forum hat die Neuerungen für Planer der Sicherheitstechnik und Technischen Gebäudeausrüstung, Errichter und Betreiber moderner Gebäudesicherheit im Gepäck: Unter dem Titel „Neue Anforderungen an Planer und Installateure: BIM und Bauvertragsrecht“ widmet das Intersec Forum die Konferenz-Session am Mittwochnachmittag (13. März) den Herausforderungen organisatorischer, technischer und rechtlicher Art von digitalen Planungsmodellen (Building Information Modeling – kurz BIM).

Gebäudesicherheit (Quelle: Sergey Nivens / Fotolia.com)
Gebäudesicherheit (Quelle: Sergey Nivens / Fotolia.com)

Experten des Fachbereichs Facility Management der TH Mittelhessen, der Fraunhofer-Allianz Bau, des Planungsbüros Groben Ingenieure, von Siemens Building Technologies Deutschland und von Kapellmann & Partner Rechtsanwälte erörtern die technischen, organisatorischen und rechtlichen Aspekte der kooperativen Arbeitsmethodik BIM.

Günther Mertz, Hauptgeschäftsführer BTGA, empfiehlt: „Der Fokus des Intersec Forums liegt auf der Vernetzung von Sicherheits- und Gebäudetechnik. Es ist deshalb während der ISH ein lohnenswertes Ziel für die Anbieter und Planer in der Technischen Gebäudeausrüstung.“

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Gebäudesicherheit und digitale Planungsmodelle

Günther Mertz, Hauptgeschäftsführer des Bundesindustrieverbandes Technische Gebäudeausrüstung (BTGA)

Digitale Planungsmethoden in der Gebäudetechnik: Klug eingesetzt helfen sie Planern, Errichtern und Betreibern von Gebäuden und integrierter Sicherheitstechnik von der Planungsphase an und können Gebäude und Liegenschaften über den gesamten Lebenszyklus auf Effizienzkurs halten. Auf dem Intersec Forum diskutieren Experten die sinnvolle Einbindung.

Günther Mertz, Hauptgeschäftsführer des Bundesindustrieverbandes Technische Gebäudeausrüstung (BTGA) äußert sich hier zu Status und Rolle BIM-basierter Methoden in der Praxis.

Intersec Forum: Herr Mertz, wie stark nutzt das Gewerk der TGA in Deutschland bereits BIM-basierte Methoden?

Mertz: Im BTGA sind industriell ausgerichtete, Anlagen bauende Firmen organisiert. Sie sind technisch und wirtschaftlich in der Lage, auch für große Bauvorhaben Anlagen der TGA zu installieren, zu warten und gegebenenfalls zu betreiben. Der Fokus der Unternehmen liegt auf gewerblichen Bauten in Deutschland und dem europäischen Ausland. Die Unternehmen verfügen über eigene Ingenieurkapazitäten und bieten zum Teil auch Planungsleistungen an. Vor diesem Hintergrund haben wir uns schon sehr früh mit dem Thema BIM befasst.

Bei der internen Auftragsbearbeitung hat die Digitalisierung schon lange Einzug gehalten. Die in den Unternehmen eingesetzten, miteinander kompatiblen Planungswerkzeuge sind dafür Grundlage. Zudem ist die Bearbeitung der vom Auftraggeber zur Verfügung gestellten Unterlagen ohne digitale Unterstützung nicht denkbar.

Auch im Bereich der Arbeitsvorbereitung und der Präfabrikation werden digitale Planungsmethoden eingesetzt. Dabei werden die Prozesse durch die digitale Datenverarbeitung schlanker, Änderungen können einfacher bis zur Werkstatt kommuniziert werden und die Qualität der vorgefertigten Produkte steigt. Sofern der Bauherr dies wünscht und auch beauftragt, sind die Unternehmen in der Lage, für die eigene Leistung mit BIM zu arbeiten oder die erforderlichen digitalen Daten zur Verwendung in BIM-Datenmodellen bereitzustellen.

2. Was bringt eine digitale Planungsmethode wie BIM für die Vernetzung der Sicherheitstechnik?

Mertz: Mit der Anwendung der BIM-Methode werden die Daten von in Gebäuden verwendeten Komponenten auf einer gemeinsamen Datenplattform abgelegt. Zur Kommunikation zwischen den einzelnen Fachmodellen und dem Gebäudedatenmodell wird das Datenaustauschprotokoll IFC verwendet. Dieses Datenprotokoll ist bereits seit 2017 als DIN EN ISO 16739 in Deutschland normativ verankert. Diese gemeinsame Sprache macht es möglich, Informationen zwischen einzelnen Fachgewerken digital auszutauschen. Einzelne sicherheitsrelevante Elemente wie Fenster, Außentüren oder Bereiche mit besonderem Schutzbedarf wie Rechnerräume können schnell und vollständig erfasst werden. Natürlich profitieren die Gewerke der Sicherheitstechnik davon. Deren Planung wird deutlich erleichtert und mögliche Lücken in der Überwachungstechnik werden durch deren Visualisierung im Gebäudemodell schon in der Planungsphase deutlich sichtbar. Hinzu kommt, dass die Bewirtschaftung von Gebäuden unter Nutzung des BIM-Modells erheblich einfacher und effektiver möglich ist. Wartung, Instandhaltung und Fehlerbeseitigung werden transparenter und einfacher.

3. Hängt alles von IT-Schnittstellenfindung ab oder doch eher von der Qualität gemeinsamer Spielregeln und Standards?

Mertz:  Die Grundlage eines Informationsaustausches ist eine gemeinsame Sprache. Grundlage für die Kommunikation mit dem BIM-Datenmodell ist IFC, ein offener Standard zur digitalen Beschreibung von Gebäudemodellen. IFC ist als internationale Norm ISO 16739 festgeschrieben und zwischenzeitlich in vielen Staaten in das eigene Normenwerk übernommen worden. Sprache ist jedoch nur ein Faktor der Kommunikation. Für ein gemeinsames Verständnis werden auch Spielregeln benötigt. Insofern ist ein gemeinsamer Standard zur Datenübermittlung ebenso wichtig wie ein gemeinsames Verständnis der übermittelten Inhalte.

4. Der Ruf nach digitalen Planungsinstrumenten ist auf der Seite der Betreiber angekommen. Wird es die Entwicklung beschleunigen, wenn Betreiber von Gebäuden zu den (Be-)Treibern digitaler Gebäudeplanungs-anwendung werden?

Mertz:  Märkte bestimmen sich nach Angebot und Nachfrage. Gibt es von Seiten der Auftraggeber keine Forderung nach der Anwendung der BIM-Methode, ist diese kein Vertragsbestandteil und wird demzufolge nicht übergreifend eingesetzt. Erst wenn ein Auftraggeber sich darüber klar wurde, was er von einem digitalen Gebäudemodell erwartet und dieses als AIA (Auftraggeber Informationsanforderung) definiert und auch beauftragt, kann die BIM-Methode zum Nutzen aller Beteiligten eingesetzt werden. Bezüglich der Errichtung öffentlicher Gebäude liegen Welten zwischen Wunsch und Wirklichkeit: Zwar gibt es auf politischer Ebene ein beachtliches Bekenntnis zur unabwendbaren BIM-Zukunft, wenn wir aber nur das aktuelle Desaster um die Regierungsgebäude in Berlin anschauen, holt uns die Wirklichkeit schnell ein. 

5. Wo, denken Sie, wird digitale Gebäudeplanung und -verwaltung idealerweise und demnächst Pflichtleistung?

Mertz: Den größten Nutzen der digitalen Gebäudeplanung lassen Planung, Errichtung und Betrieb von großen Nichtwohn-Gebäuden erwarten. Gerade bei der Abstimmung zwischen Leistungen unterschiedlicher Gewerke und der Klärung von komplexen Schnittstellen kann die BIM-Methode ihre Stärken ausspielen. Natürlich ist das digitale Gebäudemodell auch im Betrieb von Gebäuden von hohem Nutzen. Dies hat zum Beispiel die öffentliche Hand erkannt und will zukünftig verstärkt in den Ausschreibungen von Bauleistungen die BIM-Methode fordern. Im Koalitionsvertrag für NRW aus 2017 beispielsweise wurde aufgenommen, BIM ab 2020 für alle Vergaben des Bau- und Liegenschaftsbetriebs  (BLB NRW) vom Landesbetrieb Landesbetrieb Straßenbau (Straßen. NRW.) verbindlich vorzuschreiben.

Die Anwendung der BIM-Methode wird immer als eine zu beauftragende Leistung verstanden werden. Art und Umfang des BIM-Datenmodells hängen von den Anforderungen des Auftraggebers ab und sind daher nicht generell festgeschrieben.

6. Kann und will die Branche der TGA, eine Technik-hochaffine Branche, in Sachen BIM ein Vorbild für die Baubranche werden?

Das Interview mit Günther Mertz in voller Länge

Intersec Forum hakt nach: Normen und Standards für den Einsatz von BIM

Digitale Planungsmethoden erfordern einen standardisierten Datenaustausch. Der ist definiert in der Norm DIN EN ISO 16739 IFC.

Hier ein kurzer Überblick:

Die „DIN EN ISO 16739 Industry Foundation Classes (IFC) für den Datenaustausch in der Bauindustrie und im Anlagenmanagement (ISO16739:2013)“ definiert den Austausch von Bauwerksmodellen zwischen Softwareanwendungen. Diese Norm entspricht dem von buildingSMART entwickelten Standard IFC4, der seit 2013 als ISO 16739, seit 2016 als EN ISO 16739 und seit 2017 als DIN EN ISO 16739 eingeführt ist.

Mit IFC können Bauwerksinformationsmodelle (BIM) Software-übergreifend ausgetauscht werden. IFC erlaubt die Repräsentation von Projekt- und Raumstrukturen (Projekt – Liegenschaft – Bauwerk – Geschoss – Bereich – Raum – Raumzonen – Bauteile) wie auch die Aggregation einzelner Modellelemente zu Systemen. Auch logische Beziehungen zwischen Modellelementen sind abbildbar. Das ermöglicht vielfältige Auswertungen der Modelle. Darüber hinaus können Räume und Bauteile sowohl geometrisch in 3D als auch alphanumerisch, definiert über IFC-standardisierte Property Sets, beschrieben werden.

Als standardisierte Grundlage für Bauteileigenschaften wird die Anwendung der BIM-Klassifikation nach dem Standardleistungsbuch Bau (STLB-Bau; DIN SPEC 91400) empfohlen.

Die Verbindung von IFC Bauwerksmodell und GAEB-Leistungsverzeichnissen (Regelwerk des Gemeinsamen Ausschusses Elektronik im Bauwesen) ist in DIN SPEC 91350 definiert. 

Der Datenaustausch erfolgt über (GAEB-) Schnittstellen, an die sich im Wesentlichen alle Hersteller von Ausschreibungs- und Kalkulationsprogrammen halten sollten.

buildingSMART Deutschland e.V. – das deutsche Chapter von buildingSMART International (bSI) – ist ein Verband führender deutscher Planungs-, Ausführungs- und Bausoftwareunternehmen. Wesentliche Aufgabe des Verbandes ist die Weiterentwicklung und Standardisierung von offenen Austauschstandards für den Softwareunabhängigen Informationsaustausch in BIM-Projekten und die Definitionen und Standardisierung der Arbeitsprozesse.

Bundesindustrieverband planen-bauen 4.0 – Gesellschaft zur Digitalisierung des Planens, Bauens und Betreibens mbH – ist die Initiative aller relevanten Verbände und Kammerorganisationen der Wertschöpfungskette Planen, Bauen und Betreiben in Deutschland, zur Einführung von digitalen, den gesamten Lebenszyklus von Bauwerken sowie Immobilienprojekten abbildenden Geschäftsprozessen.

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