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Konferenz News vom zweiten Konferenztag 13.03.2019

Neue Anforderungen an Planer und Installateure: BIM und Bauvertragsrecht

Professor Dr. Frank Ehrenheim, Fachgebiet Facility Management , Technische Hochschule Mittelhessen

„Das Zusammenspiel zwischen BIM und Security“

Gebäude müssen nachhaltig gebaut und betrieben werden. Nur dann können gesellschaftlich geforderte ökonomische, ökologische und soziale Ziele gleichermaßen erfüllt werden. Dazu notwendig sei ein integriertes Datenmodell, das alle Interessen der unterschiedlichen Stakeholder des Gebäudes zusammenführt. Prof. Dr. Frank Ehrenheim vom Fachgebiet Facility Management an der Technischen Hochschule Mittelhessen skizzierte dazu auf dem Intersec Forum 2019 der Messe Frankfurt ein Building Information Modeling (BIM) mit sieben Dimensionen.

Neben 3D-Modell, Zeit und Kosten enthält es auch die Anforderungen für Nachhaltigkeit, Effizienz und Ressourcenvermeidung sowie für das Facility Management für den Betrieb des Gebäudes. Notwendig sei auch ein strategisches Obsoleszenz-Management als Teil des Sicherheits- bzw. Risikomanagements, um den Lebenszyklus eines Gebäudes zu verlängern und die Betriebskosten zu reduzieren. Die Berücksichtigung von Brandschutz- und Sicherheitstechnik im Datenmodell führe zu mehr Sicherheit und weniger Kosten. Simulationen bereits während der Planung erlaubten beispielsweise den Einsatz aktueller Produkte auch bei längeren Planungszeiten, eine vorausschauende Wartung sowie die automatische Prüfung auf Übereinstimmung mit den geltenden Vorschriften. Eine Herausforderung für die Zukunft sei das Nutzen der umfangreich vorhandenen Daten auch nach der Abnahme des Gebäudes.

Video-Interview mit Prof. Dr. Frank Ehrenheim

Markus Groben, Geschäftsführer Groben Ingenieure

„BIM in der Sicherheitstechnik: Aktueller Stand aus Sicht eines Fachplaners“

Building Information Modeling (BIM) wird das Bauen und Betreiben von Gebäuden in der Zukunft revolutionieren. Doch wo stehen wir heute? Können wir BIM schon auf sicherheitstechnische Planungen anwenden? Markus Groben, Geschäftsführer von Groben Ingenieure, berichtete auf dem Intersec Forum 2019 der Messe Frankfurt von einem Selbstversuch aus Sicht eines Fachplaners. 

„BIM ist eine Arbeitsmethode, die Kooperation voraussetzt. Sie ist keine 3D-CAD-Planung und man kann es auch nicht einfach kaufen“, beschreibt Groben BIM als Gesamtprozess. „Digitalisierung auf Basis mangelhafter Prozesse und Strukturen funktioniert nicht.“ Aus diesem Grund sei es auch erforderlich, dass alle Beteiligten bei den Datenformaten und Schnittstellen auf offene Standards setzen. Das sei in der Praxis aktuell allerdings nicht der Fall. Dabei stünde in Deutschland mit dem Standardleistungsbuch und der GAEB-Schnittstelle bereits eine Lösung bereit. Die Bereitstellung offener Standards sollte laut Groben allerdings recht bald erfolgen, da sich sonst De-facto-Standards einzelner Softwarehersteller etablieren würden.

Video-Interview mit Markus Groben

Georg F. Schneider, Wissenschaftlicher Mitarbeiter Fraunhofer Institut für Bauphysik (IBP)

„Vom `BIM-Referenzobjekt in Deutschland´ zum `Mittelstand 4.0-Kompetenzzentrum Planen und Bauen´“

Architekten, Fachplaner und Errichter der Sicherheits- und Gebäudetechnik sowie kleine Unternehmen und Handwerksbetriebe finden bereits heute umfangreiche Beratung rund um das Building Information Modeling (BIM). Georg F. Schneider, Wissenschaftlicher Mitarbeiter der Arbeitsgruppe Gebäudesystemlösungen beim Fraunhofer Institut für Bauphysik IBP in Nürnberg, gab dazu auf dem Intersec Forum 2019 der Messe Frankfurt zahlreiche Anregungen.

Das Mittelstand 4.0-Kompetenzzentrum Planen und Bauen unterstütze bei der Umsetzung der Digitalisierung und beim Einstieg in Building Information Modeling (BIM). Im Blick sei die gesamte Wertschöpfungskette Bauen mit den vier Themenfeldern Projektentwicklung, Planen, Bauen und Betrieb. Zu den Angeboten und Leistungen zählten Demonstratoren für konkrete Anwendungsfälle, Präsentation und Dokumentation von Best-Practice-Beispielen, Vorträge, Schulungen und verschiedene Veranstaltungsformate wie BIM-Frühstücke für den Erfahrungsaustausch und die Vernetzung. Bereits im Jahr 2017 wurde das Projekt „BIMiD – BIM-Referenzobjekt in Deutschland“ abgeschlossen, bei dem der Einsatz von BIM anhand zweier Bauprojekte beispielhaft demonstriert worden ist.

Jürgen Rumeney, Senior Consultant Security Siemens Building Technologies Deutschland

„Sicherheitstechnik für die Zukunft planbar gestalten“

Building Information Modeling (BIM) wird das Bauen in Zukunft nachhaltig verändern. Wie die Bestandteile dieser virtuellen Planung bereits heute gewinnbringend eingesetzt werden können, erläuterte Jürgen Rumeney, Senior Consultant Security bei Siemens Building Technologies Deutschland, auf dem Intersec Forum der Messe Frankfurt.

Virtuelle Medien und Simulationen seien dabei Schlüsselfaktoren für das Planen der Zukunft insbesondere in der Sicherheitstechnik. Die im „digitalen Zwilling“ des Gebäudes vorhandenen Daten ließen sich auch dazu nutzen, beispielsweise Alarmmanagement, Evakuierungen und Menschenströme bereits im Vorfeld planbar zu machen und damit die Sicherheit im realen Gebäude zu erhöhen. Bislang aufwändige Echtzeit-Simulationen wie die Berechnung von Menschenströmen während einer Evakuierung würden durch den digitalen Zwilling erheblich erleichtert. In Zukunft wird laut Rumeney zunehmend mit Virtual Reality (VR) geplant, wodurch beispielsweise bereits im virtuellen Gebäude komplexe Sensorbereiche festgelegt und passende Geräte ausgewählt werden könnten.

Dr. Thomas Rütten, Rechtsanwalt und Fachanwalt für Bau- und Architektenrecht Kapellmann und Partner Rechtsanwälte

„Ein Jahr neues Bauvertragsrecht: aktuelle und künftige Herausforderungen“

Die Änderungen des seit 1. Januar 2018 gültigen Bauvertragsrechts haben unmittelbare Auswirkungen auf jede Art von Bauvorhaben, auch für Sicherheitstechnik und Technische Gebäudeausrüstung. Dr. Thomas Rütten, Rechtsanwalt und Fachanwalt für Bau- und Architektenrecht bei Kapellmann und Partner Rechtsanwälte, erläuterte die Auswirkungen auf dem Intersec Forum der Messe Frankfurt am Beispiel des Anordnungsrechts.

Nach neuem Recht soll bei Änderungsanordnungen des Auftraggebers Einigkeit mit dem Auftragnehmer erzielt werden. Die bisherige Ausgestaltung von Verträgen sei mit diesem Ziel nicht vereinbar. Die Verträge müssten deshalb beispielsweise mit differenzierenden und kooperativen Regelungen neu gestaltet werden, um den Projekterfolg für alle Beteiligten zu gewährleisten. „Das neue Bauvertragsrecht wirkt positiv, auch für die Gewerke Sicherheitstechnik und TGA. Neue, differenzierte oder Mehr-Parteien-Verträge schaffen Transparenz und ein Klima von Beteiligungs- und Belohnungskonzepten in der (Bau-) Praxis“, meinte Rütten abschließend.

Diskussionsrunde mit den Sprechern des Themenblocks „Neue Anforderungen für Planer und Installateure: BIM und Bauvertragsrecht“

Diskussionsrunde mit den Sprechern des Themenblocks Neue Anforderungen für Planer und Installateure: BIM und Bauvertragsrecht", Moderation: Bernhard Heuvelmann

Weg von konfrontativ geprägten Beziehungen zwischen den Baubeteiligten, hin zu mehr Konsens und Kommunikation. Das war das wichtigste Fazit der Abschlussdiskussion mit den Referenten des Themenblocks BIM und Bauvertragsrecht und Moderator Bernhard Heuvelmann am zweiten Tag des Intersec Forums der Messe Frankfurt.

Die Rahmenbedingungen für den Bau von Gebäuden und der Technischen Gebäudeausrüstung (TGA) ändern sich nach übereinstimmender Meinung der Teilnehmer gerade grundlegend. Sowohl das neue, seit 1. Januar 2018 gültige Bauvertragsrecht als auch die Herausforderungen bei der Umsetzung des Building Information Modelings (BIM) und die möglichen Änderungen bei der Anwendung der Honorarordnung für Architekten und Ingenieure (HOAI) seien allerdings noch nicht in der Praxis angekommen. Mit einer auf Konfrontation und Bestrafung aufgebauten Vertragsgestaltung ließen sich aber keine Gebäude von morgen bauen. Notwendig seien partnerschaftliche Verträge mit transparenter Gestaltung.

BIM wird kommen, darin waren sich die Teilnehmer einig. Wie steinig der Weg dahin wird, hänge auch davon ab, inwieweit alle Stakeholder kooperativ zusammenarbeiten. BIM bzw. die Elemente einer virtuellen Planung würden heute schon genutzt, beispielsweise bei der Simulation von Gefahrensituationen in Gebäuden. Eine besondere Herausforderung sei Stand heute die Übertragung der durch den Planungsprozess mit BIM gewonnenen Daten in die Betriebsphase und den gesamten „Life cycle“ eines Gebäudes.

Live aus dem Intersec Forum: Alle Video-Statements der Konferenzredner

Statements der Redner zum Nachlesen

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